Newsletter 031 Winter (2019)

Geld für die Aufwertung der «Pesttangente»



Veröffentlicht am: 26.12.2019

Dort, wo die Sihlfeldstrasse auf die Kalkbreitestrasse trifft, soll 2021 ein neuer chaussierter Kiesplatz mit Bänken und Bäumen entstehen. Der Gemeinderat verlangt nun aber mehr.

Pete Mijnssen (Text und Foto)

Ab übernächstem Frühling wird hier statt einer Kreuzung ein Park entstehen.
Ab übernächstem Frühling wird hier statt einer Kreuzung ein Park entstehen.

Seit zehn Jahren ist die Weststrasse vom Durchgangsverkehr befreit und beruhigt, der Transitverkehr rollt über die neue Westumfahrung und den Uetlibergtunnel. Im Quartier ist neues Leben entstanden – Häuser wurden renoviert, der Brubpacher-Raygrotzky Platz geschaffen. Rund ums Lochergut brummt die neue Ausgehmeile mit Restaurants und Cafés.

 

Der Stadtrat will nun auch den Abschnitt auf der Kalkbreitestrasse Höhe Sihlfeldstrasse aufwerten und diesen Unort zu einem kleinen Park aufwerten. Dafür werden die letzten Meter der ehemaligen «Pesttangente» vor der Kalkbreitestrasse renaturiert; wegen des Klimawandels sieht der Stadtrat einen grossen Bedarf an kühlenden Oasen.

 

Gemeinderat denkt zehnmal grösser

Der Gemeinderat will aber mehr. An seiner Budgetsitzung vom 12. Dezember überwies er ein Postulat der beiden Grünen Markus Knauss und Gabi Kisker, das eine Erweiterung des Strassenprojekt Kalkbreitestrasse (Aemtlerstrasse bis Zypressenstrasse) verlangt. Entstehen würde ein zehnmal grösserer Park von rund 2000 Quadratmetern. «Zusammen mit der Grünanlage neben dem Kindergartenhaus Wiedikon und den Parkplätzen an der Sihlfeldstrasse wäre bis zur Haslerstrasse ein schon beinahe grosszügiger Park denkbar», sagt Gemeinderat Knauss.

Die Mehrheit folgte der Begründung, dass es mit der anhaltenden Reduktion des Autobesitzes im Quartier Sihlfeld weniger öffentliche Parkplätze braucht. Eine Erweiterung entlang des Spielplatzes neben dem Kindergartenhaus bis zum Brupbacherplatz wäre zu einem späteren Zeitpunkt denkbar.

 

Tempo 30 und Seebahngraben-Überdeckung

Bezüglich grüner Oasen gibt es an dieser Achse auch seit einigen Jahren die Idee einer Überdeckung des Seebahngrabens, dem Bahneinschnitt zwischen Bahnhof Wiedikon und Güterbahnhof. Die Stadt will das Vorhaben in den Richtplan eintragen und rechnet mit Kosten von 300 bis 400 Millionen Franken. Knauss bleibt aber realistisch und meint, dies sei kaum mehr in dieser Generation realisierbar.

Handkehrum: Wer konnte sich vor 25 Jahren vorstellen, dass das unattraktive VBZ-Areal an der Kalkbreite dereinst überbaut würde? Heute steht dort eine der markantesten Wohnbauten der Stadt.



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Lebwohl, Köbi!



Veröffentlicht am: 26.12.2019

Wenige Personen, welche in jüngerer Zeit von dieser Welt gegangen sind, wurden derart mit Wiedikon in Einklang gebracht wie der Ende November verstorbene Köbi Kuhn. Ein Nachruf.

 

Text: Stefan Claudio

Illustration: Peter Gut / Neue Zürcher Zeitung

«Köbi National» war Wiedikon bis an sein Lebensende sehr verbunden. Er wuchs nahe der Fritschiwiese als Spross einer siebenköpfigen Arbeiterfamilie auf. Zusammen mit einer anderen Wiediker Ikone, dem Bäcker Oski Kuhn, pflegte er dort als Kind dem Ball nachzurennen. Sein fussballerisches Talent blieb nicht unbemerkt, und so wurde er schon in jungen Jahren Nachwuchs-Mitglied des FC Zürich.

Bereits damals pilgerte er mit seinem Vater ins Stadion Letzigrund, welches mit etwas gutem Willen auch noch zu Wiedikon gezählt werden kann. Kuhn, der als Fussballer für Schweizer Verhältnisse über aussergewöhnliche Qualitäten verfügte, feierte mit «seinem» FCZ in den 60er Jahren unzählige Titel und Erfolge. Nach einem längeren Ausflug in die Privatwirtschaft wurde er spätestens durch seine Erfolge als Trainer der Fussballnationalmannschaft (2001-2008) zu «Köbi national», einer im ganzen Land bekannten und beliebten Persönlichkeit. Trotz seiner Berühmtheit verschwand er jedoch nie von der Wiedikoner Bühne.

Er bewohnte mit seiner Frau und seiner Tochter über lange Jahre ein Haus in Nähe des Triemli. Nach dem Tod seiner Frau, die nach einer langen und schweren Krankheit verstarb, bezog er mit seiner neuen Gattin für die letzten Lebensjahre in ein Haus in Birmensdorf. Am 26. November 2019 erlag Kuhn im Spital Zollikerberg seinem Krebsleiden. Er wird dem Quartier fehlen. Lebwohl, Köbi!



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Opposition gegen Mediterrane Nächte



Veröffentlicht am: 26.12.2019

Der Stadtrat will nächstes Jahr an mehreren Plätzen Versuchsbetriebe mit nächtlicher Verlängerung durchführen, auch am Idaplatz. Dagegen laufen verschiedene Anwohnervereine Sturm.

Pete Mijnssen, Text

Sophie Stieger / Tagesanzeiger, Foto


So harmonisch wird die Kontroverse um die Mediterranen Nächte am Idaplatz nicht ausfallen.

Geht es nach dem Plan der Stadt, sollen einige Zürcher Bars und Restaurants nächsten Sommer versuchsweise an Sommerwochenenden ihre Gäste zwei Stunden länger draussen bewirten dürfen. Den Aussenbereich müssen Bars an der Langstrasse dann beispielsweise erst um 2 Uhr morgens schliessen. Am Idaplatz soll der Versuchsbetrieb im Juli stattfinden. Nun wehren sich Quartiervereine und Anwohner mit einer Einsprache gegen das Pilotprojekt.

 

«Ein schlechter Witz»

Lukas Felder von der IG Idaplatz nennt das Projekt «einen schlechten Witz. Buchstäblich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.» Die AnwohnerInnen des Idaplatzes haben seit dieser ein urbaner Hotspot geworden ist reiche Erfahrung mit den umliegenden Bars und Restaurant gesammelt. Ein runder Tisch führte jahrelang zu einem Burgfrieden zwischen den Kontrahenten. Der Versuch geht den AnwohnerInnen nun aber zu weit.

So wirft die Gruppe «Innenstadt als Wohnquartiere» dem Stadt- und Gemeinderat eine ungebremste Liberalisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums vor. Die Anwohnervereine verlangen «eine Politik, die in eine andere Richtung geht, weg von der Eventisierung». Gerade die Bewohner der Innenstadt hätten durchaus eine hohe Toleranzgrenze. Was vor Mitternacht geschehe, werde meist gar nicht mehr beanstandet. «Aber wenn es gar keine Spielregeln mehr gibt, wird die Stadt für sensible Bevölkerungsgruppen wie Familien, ältere Menschen oder Berufstätige bald nicht mehr bewohnbar», so der Vertreter des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat, Felix Stocker. Den EinsprecherInnen ist klar, dass es «nicht sehr sexy» sei, für die Einhaltung der Nachtruhe einzustehen. Der Druck auf die Wohnquartiere steige aber konstant.

 

Quartierverein will sich neutral verhalten

Wie umstritten das Anliegen auch im Kreis 3 ist, zeigt ein Austausch zwischen der IG Idaplatz und dem Quartierverein. Danach wolle und könne sich der Quartierverein in dieser Frage nicht positionieren. Vielmehr soll die eine Seite (Anwohnende der lärmgeplagten Quartiere), als auch die andere (junge Leute, die gerne in den Ausgang gingen und sich über solche Erweiterungen freuen würden) gleichermassen berücksichtigt werden.

Die Einsprache der Gruppe Innenstadt hat aufschiebende Wirkung und könnte den Versuch verzögern. «Sollten die Rechtsmittelverfahren bis Ende Juni nicht abgeschlossen sein, werden die mediterranen Nächte 2020 wohl nicht stattfinden», sagt Robert Soos, der Sprecher des Zürcher Sicherheitsdepartements. Der Versuch geht auf einen Vorstoss von Nicole Giger (sp.) und Andri Silberschmidt (fdp.) zurück. Man will ihn wissenschaftlich begleiten und auswerten lassen.



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Januarprogramm Casa mondiale zu Wiedikon



Veröffentlicht am: 26.12.2019

Die markante rot-emaillierte Glasfassade aus den 50er-Jahren an der Grenze zwischen Sihlfeld und Aussersihl ist weithin bekannt und sichtbar. Das im Herbst 2018 eröffnete denkmalgeschützte und sanierte Stadthaus «zur Seebahn» heisst nun Casa mondiale und bietet auch ein attraktives Kulturprogramm. Mit der Unterstützung des Seebähnli–Restaurantteams startet das Jahr 2020 unverkatertmit einem passenden Januarprogramm.

So kann man unter kundiger Leitung von Johannes Glarner den Tag mit Stille beginnen. Lauter kann es werden, wenn sich die Kids im Workshop «Future Skills» mit der Zukunft beschäftigen. Und so richtig schön aufdrehen darf später DJ Ms. Hyde. Von ihrem Platten-Teller geht’s munter weiter zum karibisch bunt bekochten Kulinarikprogramm des Seebähnli.

https://www.casamondiale.ch/assets/uploadsmedia/Kultur/Casa_mondiale_20_Januarprogramm.pdf

Casa mondiale – Kalkbreitestrasse 33 – 8003 Zürich Wiedikon

kuration@casamondiale.ch – 044 291 56 56 – www.casamondiale.ch

Und....
Wir suchen aktive Mitglieder, welche beim Quartiernetz3 mitwirken wollen. Wir sind die überparteiliche Plattform für Kultur+Politik im Kreis 3 und treffen uns jeweils zu 3 – 5 Sitzungen im Jahr. Wenn Du Interesse am Mitdenken und Mitarbeiten hast, dann melde dich bei uns. Gerne lernen wir dich – und du uns – bei einem persönlichen Gespräch kennen!



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